Wichtigste Fakten auf einen Blick
Leistungssport umfasst zahlreiche Trainingssitzungen, hohe Energieausgaben und infolgedessen einen größeren Kalorienbedarf. Es gibt jedoch Disziplinen, die von Sportlern eine schlanke Körperfläche erfordern, wie beispielsweise Akrobatik oder Skifahren. Das Streben nach einem möglichst niedrigen Körpergewicht und guten Ergebnissen führt oft zu Unzufriedenheit, unzureichender Energieversorgung, oft auch zu Ernährungsstörungen und gesundheitlichen Problemen, die sich negativ auf die Effizienz des Trainings auswirken können. Sportler fallen seit Jahren in diese Falle, und trotz zunehmender Verfügbarkeit von Wissen nimmt die Häufigkeit dieses Phänomens nicht ab. Gibt es etwas, was man tun kann, um dieses Problem zu vermeiden?
RED-Syndrom: Relativer Energiemangel im Sportkontext
Erstmals im Jahr 1993 wurde von Wissenschaftlern ein spezifisches klinisches Phänomen identifiziert und beschrieben, das als "Sportler-Triade" bezeichnet wurde und vor allem junge, leistungsorientierte Sportlerinnen betraf. Dieses Syndrom äußerte sich durch das gleichzeitige Auftreten dreier zentraler Störungen: Essstörungen, menstruelle Unregelmäßigkeiten sowie einen fortschreitenden Verlust der Knochendichte, der schließlich zu Osteoporose führte. Im Verlauf weiterer Forschungsarbeiten und vertiefter Erkenntnisse über die physiologischen Mechanismen wurde später auch eine chronisch verringerte Energieverfügbarkeit des Körpers als Bestandteil dieses Symptomkomplexes anerkannt. Im Jahr 2014 führte das Internationale Olympische Komitee (IOC) eine präzisere Terminologie ein und definierte das Phänomen als "Syndrom des relativen Energiemangels im Sport" (engl. *Relative Energy Deficiency in Sport*, RED-S). Die Ursache für das Auftreten dieses Syndroms liegt in einem langfristigen Ungleichgewicht zwischen Energiebedarf und Energiezufuhr, was zu schwerwiegenden systemischen Funktionsstörungen führt – und zwar sowohl bei Frauen als auch bei Männern, die auf unterschiedlichen Leistungsniveaus Sport betreiben (De Souza et al., 2014).
Energetische Unterversorgung aufgrund unzureichender Kalorienzufuhr im Verhältnis zum Energieverbrauch
Eine unzureichende Energieverfügbarkeit, auch bekannt als kalorisches Defizit im Verhältnis zu einem erhöhten metabolischen Bedarf, beschreibt einen Zustand, bei dem die dem Körper zugeführte Kalorienmenge – sei es durch Nahrungsaufnahme oder ergänzende Nährstoffpräparate – im Vergleich zum gesamten täglichen Energieverbrauch, der sowohl den Grundumsatz als auch körperliche Aktivitäten umfasst, nicht ausreicht. Dieses Phänomen betrifft vor allem Leistungssportler, ist jedoch ebenfalls bei ambitionierten Hobbyathleten sowie bei Personen mit erheblichem Untergewicht, deren Body-Mass-Index (BMI) unter 17,5 kg/m² liegt, weit verbreitet. Die Diagnose stützt sich auf ein quantitatives Kriterium: Eine Energiezufuhr von weniger als 30 Kilokalorien pro Kilogramm fettfreier Körpermasse (FFM) gilt als unzureichend, während ein optimaler Wert bei etwa 45 Kilokalorien pro Kilogramm FFM liegt. Die gesundheitlichen Folgen eines chronischen Energiemangels sind vielfältig und können hormonelle Störungen, eine Schwächung des Immunsystems, ein erhöhtes Verletzungsrisiko sowie langfristige Beeinträchtigungen der körperlichen Leistungsfähigkeit umfassen. Aus diesem Grund ist eine kontinuierliche Betreuung durch Fachkräfte – darunter Sportdiätologen und Sportmediziner – von entscheidender Bedeutung, um negative Auswirkungen durch individuell angepasste Ernährungspläne und die Überwachung physiologischer Parameter zu verhindern oder zu minimieren (Melin et al., 2015; Internationales Olympisches Komitee, 2018).
Funktionelle Störungen des Menstruationszyklus: Ursachen, Symptome und diagnostische Herausforderungen
Bei Patientinnen mit chronisch unzureichender Energiezufuhr kann es zur Entstehung einer sekundären, hypothalamisch bedingten Amenorrhoe kommen, die auf eine Störung der pulsatilen Freisetzung des Gonadotropin-Releasing-Hormons (GnRH) zurückzuführen ist. Diese Dysregulation führt zu einer verminderten Sekretion von Luteinisierungshormon (LH) und Follikelstimulierendem Hormon (FSH), was wiederum eine Reduktion der Östrogenwerte sowie eine Hemmung des Eisprungs zur Folge hat. Klinisch äußert sich dies durch unregelmäßige Zyklusverläufe, Fertilitätsstörungen oder sogar ein vollständiges Sistieren der Menstruation (Drosdzol-Cop & Zachurzok, 2020). Besonders bei jungen Frauen gestaltet sich die Diagnosestellung schwierig, da unregelmäßige Blutungen in dieser Altersgruppe häufig vorkommen. Zudem können hormonelle Kontrazeptiva die ursprünglichen Symptome überdecken und die diagnostische Abklärung zusätzlich erschweren (Gordon et al., 2017).
Physiologische Determinanten der Knochenintegrität bei energetischer Unterversorgung
Eine unzureichende kalorische Zufuhr löst eine Kette endokrinologischer Dysregulationen aus, die die Homöostase des Skelettsystems erheblich beeinträchtigen. Der Rückgang der Konzentrationen zentraler metabolischer Regulatoren – wie Östradiol, insulinähnlicher Wachstumsfaktor 1, das Adipokin Leptin oder das aktive Schilddrüsenhormon Triiodthyronin – steht in direktem Zusammenhang mit einem progressiven Verlust der Knochenmineraldichte, einer Beeinträchtigung der Knochenumbauprozesse sowie einer erhöhten Anfälligkeit für mechanische Verletzungen in Form von Frakturen. Bemerkenswerterweise treten diese Störungen, obwohl sie in der weiblichen Population aufgrund der spezifischen Hormonregulation dominieren, ebenfalls bei Männern auf, wie klinische Studien – darunter eine Metaanalyse von Papageorgiou et al. aus dem Jahr 2018 – bestätigen.
Gesundheitliche Folgen unzureichender Energiezufuhr bei Sportlern – somatische und psychische Symptome
Bei Sportlerinnen und Sportlern, deren Energiezufuhr chronisch unter dem tatsächlichen Bedarf liegt, lassen sich häufig kardiovaskuläre Auffälligkeiten nachweisen. Dazu zählen unter anderem ein ungünstiges Blutlipidprofil, eine gestörte Endothelfunktion der Gefäße, ein absinkender Blutdruck sowie eine verringerte Herzfrequenz. In schweren Fällen eines ausgeprägten Energiedefizits können zudem schwerwiegendere Störungen auftreten, wie etwa Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien), eine verlangsamte Herzschlagfrequenz (Bradykardie) oder Fehlfunktionen der Herzklappen (Mountjoy et al., 2018).
Personen mit einer dauerhaft verminderten Energieverfügbarkeit berichten zudem häufig über gastrointestinale Beschwerden. Hierzu zählen hartnäckige Verstopfung, eine verzögerte Magenentleerung (Gastroparese) sowie eine verlängerte Darmpassagezeit, was zu Unwohlsein und einer beeinträchtigten Nährstoffaufnahme führen kann (Norris et al., 2016).
Ein chronischer Kalorienmangel geht darüber hinaus mit einer Schwächung des Immunsystems einher, was sich durch eine erhöhte Anfälligkeit für Infektionen der oberen Atemwege, ein ständig vorhandenes Kältegefühl, Schlafstörungen in Form von Ein- und Durchschlafproblemen sowie wiederkehrende Kopfschmerzen metabolischen Ursprungs äußert (Drew et al., 2018).
Besonders hervorzuheben ist, dass sowohl die Ursache als auch die Folge einer chronisch unzureichenden Energiezufuhr psychische Störungen sein können. Bei Sportlern mit einem Kaloriendefizit werden häufiger bulimische Episoden, depressive Symptome, eine allgemeine Stimmungsverschlechterung, eine geringere Stressresistenz sowie kognitive Einschränkungen – etwa Konzentrationsschwächen oder eine beeinträchtigte Kurzzeitgedächtnisleistung – beobachtet (Mountjoy et al., 2018).
Ernährungsstörungen im Zusammenhang mit gewichtsrestriktiven Sportarten (Relative Energy Deficiency in Sport, REDs)
Sportarten wie künstlerische Gymnastik, Straßenradsport, Langstreckenlauf, Bodybuilding, Skispringen oder Eiskunstlauf stellen an Athleten strenge Anforderungen in Bezug auf das Körpergewicht, wobei oft Werte am unteren Ende des physiologischen Normbereichs angestrebt werden. In einigen Fällen resultiert dies aus ästhetischen Kriterien – wie etwa im ästhetisch geprägten Sport – während in anderen eine geringere Körpermasse direkt zu einer Verbesserung leistungsrelevanter Parameter führt, beispielsweise beim Verhältnis von Kraft zu Gewicht. Psychologische Faktoren, darunter extremer Perfektionismus, sozialer Druck (einschließlich Medien und Wertungsrichter), hoher Konkurrenzdruck sowie unzureichende Unterstützung durch das Trainerteam, begünstigen die Entwicklung pathologischer Essverhaltensweisen. Systematische epidemiologische Studien belegen, dass die Prävalenz von Essstörungen – insbesondere Anorexia nervosa und Bulimia nervosa – bei Leistungssportlern signifikant höher ist als in der Allgemeinbevölkerung. Darüber hinaus beeinträchtigen diese Störungen nicht nur die allgemeine körperliche und psychische Gesundheit, sondern wirken sich auch negativ auf die Regenerationsfähigkeit, Leistungsfähigkeit und sportliche Ergebnisse aus, wie in wissenschaftlichen Arbeiten, unter anderem von Krentz und Warschburger (2013), dokumentiert wurde.
Folgen einer unzureichenden Energiezufuhr für sportliche Leistungen: physiologische Mechanismen und Verletzungsrisiken im Fokus
Obwohl es naheliegend erscheint, dass eine ungenügende Energiezufuhr die sportliche Leistungsfähigkeit beeinträchtigt, vertrauen zahlreiche Athleten nach wie vor auf die Annahme, dass ein reduziertes Körpergewicht der entscheidende Faktor für den ersehnten Erfolg darstellt. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Thema bleibt jedoch lückenhaft. Die vorliegenden Studien deuten darauf hin, dass ein chronisches Energiedefizit die neuromuskuläre Effizienz verringert, die Glykogenspeicher in der Muskulatur erschöpft und die Proteinsynthese hemmt. Darüber hinaus wird eine verzögerte Reaktionsfähigkeit auf externe Reize sowie eine erhebliche Beeinträchtigung der postexertionalen Regenerationsprozesse beobachtet (wie in den Untersuchungen von A. K. Melin und Kollegen aus dem Jahr 2019 dokumentiert). Ein besonders besorgniserregender Befund ist die Schwächung der Knochenstruktur, die mit einem erhöhten Risiko für schwere Verletzungen und verlängerten Heilungsprozessen einhergeht (bestätigt durch die Arbeiten von M. K. Drew et al. aus dem Jahr 2017).
Früherkennungsmaßnahmen des RED-S-Syndroms: Diagnostische Leitlinien und präventive Screening-Untersuchungen
Aufgrund der gravierenden gesundheitlichen Folgen, die ein relativer Energiemangel – insbesondere im sportlichen Kontext – nach sich ziehen kann, kommt der frühzeitigen Diagnostik eine zentrale Bedeutung zu. Hierfür eignen sich umfassende Screening-Untersuchungen, die sowohl eine detaillierte Anamnese als auch eine gründliche körperliche Untersuchung beinhalten sollten. Zu den Warnsignalen, die eine besondere Aufmerksamkeit erfordern, zählen unter anderem ein unterdurchschnittlicher Body-Mass-Index (BMI), ein rascher Gewichtsverlust in kurzer Zeit, das Auftreten von orthostatischer Hypotonie, das Vorhandensein von Lanugo – einem feinen, körpereigenen Flaum – sowie eine Hyperkarotinämie, die sich durch eine gelbliche Verfärbung der Haut äußert. Darüber hinaus sind Symptome, die auf das Vorliegen einer Essstörung hindeuten, von besonderer Relevanz, wie von E. Joy und Kollegen im Jahr 2014 dokumentiert. Im Rahmen der Anamnese sollte zudem der Menstruationszyklus der Patientin, frühere Knochenbrüche, die eingenommenen Medikamente, familiäre Krankheitsvorgeschichten sowie die Ernährungsgewohnheiten erfasst werden. Von Bedeutung ist ebenfalls, ob die betroffene Person externen Druck – sei es durch Trainer, Familienmitglieder oder Teamkollegen – in Bezug auf Körpergewicht oder sportliche Leistungen erfährt. Persönlichkeitsmerkmale wie Perfektionismus oder Neurotizismus, die zu Verhaltensweisen mit chronisch niedriger Energieverfügbarkeit beitragen können, dürfen dabei nicht außer Acht gelassen werden. Es ist zu betonen, dass in Polen Screening-Untersuchungen zur Erkennung des RED-S-Syndroms bei Sportlern bisher nicht flächendeckend durchgeführt werden, was unter anderem auf ein mangelndes Problembewusstsein unter Fachkräften zurückzuführen sein könnte, wie M. J. De Souza und Kollegen in ihrer Studie aus dem Jahr 2014 aufzeigten.
Welche therapeutischen Maßnahmen sollten zur Optimierung des Gesundheitszustands des Patienten in Betracht gezogen werden?
Der primäre Ansatz in der Behandlung sollte darin bestehen, die Gesamtenergiezufuhr schrittweise durch Ernährungsumstellungen oder Reduzierung der körperlichen Belastung zu erhöhen, um ein angemessenes energetisches Gleichgewicht im Körper wiederherzustellen. Bei Erwachsenen wird ein Body-Mass-Index (BMI) von mindestens 18,5 angestrebt, während bei jüngeren Patienten ein Körpergewicht von mindestens 90 % des altersentsprechenden Referenzwerts erreicht werden sollte. Zudem ist die Einbindung von Fachkräften aus den Bereichen klinische Ernährung und Psychologie in den Therapieprozess von Bedeutung, und in begründeten Fällen sollte eine individuell angepasste Psychotherapie – insbesondere für Personen mit diagnostizierten Essstörungen – in Betracht gezogen werden (Deimel & Dunlap, 2012).
Zusammenfassende Darstellung der zentralen Aspekte der Athleten-Triade und des RED-S-Syndroms: Dringender Bedarf an Aufklärung und präventiven Maßnahmen im Sportbereich
Obwohl die Athleten-Triade sowie das Relative Energy Deficiency in Sport (RED-S)-Syndrom seit langem in der medizinischen Fachliteratur dokumentiert sind, werden diese Themen in der sportlichen Praxis und unter Verantwortlichen für das Training von Athlet:innen sträflich vernachlässigt. Dieses besorgniserregende Defizit an Bewusstsein macht es unerlässlich, nicht nur fundiertes Wissen über diese Störungsbilder aktiv zu verbreiten, sondern auch kontinuierlich die zentrale Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung zu betonen – insbesondere bei Leistungssportler:innen, deren Körper extremen physiologischen Belastungen ausgesetzt sind. Als sinnvolle Ergänzung zu den Aufklärungsmaßnahmen wäre die Einführung standardisierter, regelmäßiger Screening-Untersuchungen zu empfehlen, die eine frühzeitige Erkennung erster Dysfunktionssymptome im präklinischen Stadium ermöglichen. Dies würde die Erfolgsaussichten therapeutischer Interventionen deutlich verbessern und gleichzeitig langfristige gesundheitliche Folgen effektiv verhindern.