Es stimmt sehr, dass 'kaltes Wasser Gesundheit hinzufügt'. Die Bewegungsrehabilitation nutzt sehr häufig die wohltuenden Eigenschaften einer niedrigen Temperatur, genannt Kryotherapie. Diese kann lokal sein, wie zum Beispiel Eisbeutel, oder systemisch, wie das Eistauchen. Sind Eisbäder bei extrem niedrigen Temperaturen wirklich gesund und sicher für den Körper?
Eisbaden: Ursprung, historische Entwicklung und moderne gesundheitliche Anwendungen von Kaltwassertherapien
Die Wurzeln des Eisbadens – in Polen als *Morsowanie* bekannt – lassen sich bis in die Antike zurückverfolgen, wo es eng mit den Anfängen der physikalischen Medizin verbunden war. Hippokrates von Kos, einer der Begründer der Heilkunst, empfahl bereits die Anwendung von kaltem Wasser zur Linderung von Schmerzen, Schwellungen, Blutungen und fiebrigen Zuständen. Im 16. Jahrhundert wurden die gesundheitsfördernden Eigenschaften von Kaltwassertherapien von polnischen Gelehrten wie Josef Struss und Wojciech Oczko weiterverbreitet, die diese insbesondere bei rheumatischen Erkrankungen einsetzten. Während der Napoleonischen Kriege nutzten Feldärzte Eis- und Schneeumschläge, um Amputationen an Soldaten zu erleichtern. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts erlebte die Kaltwasserkur einen Aufschwung: Die Erfindung des ersten Badeanzugs und der *Bademaschine* (ein Gerät zum sicheren Einstieg ins Wasser) markierte den Beginn der ersten Seebäder, die gezielt die heilende Wirkung von Meereswasser propagierten. Die moderne Medizin hat diese Traditionen weiterentwickelt – etwa durch die Kryotherapie (kurzzeitige Anwendung extrem niedriger Temperaturen) oder die Kryochirurgie (gezielte Entfernung von Gewebeveränderungen wie Warzen oder Hämorrhoiden durch Vereisung). Kälte spielt zudem eine zentrale Rolle in der Labordiagnostik, da sie die Langzeitlagerung biologischer Proben ermöglicht. Trotz des medizinisch-technischen Fortschritts bleibt das Eisbaden bis heute verbreitet. In Polen wird es saisonal von Herbst bis Frühling praktiziert, wobei die Wassertemperatur idealerweise zwischen 8 und 12°C liegt (manche Badende bevorzugen sogar Temperaturen unter 4°C). Eine Umfrage von P. Kaniewska und L. Ossowska (2021) unter über 400 Teilnehmern ergab, dass der häufigste Beweggrund (221 Nennungen) der Wunsch war, eine völlig neue gesundheitsfördernde Aktivität auszuprobieren. Weitere Motive waren das Austesten der eigenen Belastbarkeitsgrenzen (192 Antworten) sowie das Streben nach Verbesserung der Gesundheit oder des Aussehens (164 Antworten).
Sie haben begonnen, einen PRO-Artikel zu lesen
Sie können das erste Kapitel lesen. Um den gesamten Artikel zu lesen und alle Inhalte freizuschalten, wechseln Sie zum PRO-Konto.