Gemäß der Theorie sollte eine Mahlzeit Energie liefern und den Blutzuckerspiegel bei gesunden Menschen erhöhen. Es gibt jedoch Fälle, in denen trotz des Verzehrs einer Mahlzeit, z.B. Mittagessen, Symptome wie Zittern der Hände, Schwäche, Konzentrationsstörungen oder Hungergefühle auftreten, die typische Anzeichen für einen niedrigen Blutzuckerspiegel sind. Grundsätzlich sollten diese Symptome nicht auftreten, da der Körper eine Energiedosis erhalten hat. Es stellt sich jedoch heraus, dass dieses Phänomen relativ häufig auftritt und als reaktive Hypoglykämie bekannt ist.
Stammt die reaktive Hypoglykämie tatsächlich von diesen Mechanismen ab?
Die reaktive Hypoglykämie (auch als postprandiale Hypoglykämie bezeichnet) beschreibt einen Zustand, bei dem der Blutzuckerspiegel innerhalb von zwei bis fünf Stunden nach einer Mahlzeit – insbesondere bei kohlenhydratreicher, schnell resorbierbarer Nahrung – unter 70 mg/dl abfällt. Obwohl dieses Phänomen häufig mit Diabetes in Verbindung gebracht wird, kann es ebenfalls bei stoffwechselgesunden Personen auftreten, vor allem bei denen mit Übergewicht oder Adipositas. Zudem stellt es eine häufige Komplikation nach bariatrischen Eingriffen dar. Die genauen Ursachen dieser Störung sind noch nicht vollständig geklärt. Eine mögliche Erklärung liegt in einer gestörten Insulinantwort nach dem Essen: Ein übermäßiger Insulinausstoß als Reaktion auf einen raschen Anstieg des Blutzuckers, was später zu einem zu starken Abfall des Glukosespiegels führt und möglicherweise die Entwicklung einer Insulinresistenz begünstigt. Weitere potenzielle Faktoren umfassen eine unzureichende Produktion von Glukagon – einem Hormon, das der Hypoglykämie entgegenwirkt – oder eine übermäßige Aktivität des glukagonähnlichen Peptids-1 (GLP-1), das die Senkung des Blutzuckers nach einer Mahlzeit verstärkt (wie in Studien von J.E. Campbell und D.J. Drucker aus dem Jahr 2013 dargestellt).
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