Wichtigste Fakten auf einen Blick
Ernährung ist ein entscheidender Bestandteil der Behandlung vieler Krankheiten, und die Aufrechterhaltung eines angemessenen Ernährungszustands ist eine der wichtigsten Prioritäten. Es gibt jedoch Fälle, in denen dies mit herkömmlichen Produkten nicht mehr möglich ist. In solchen Fällen hilft medizinische Ernährung, einschließlich mündlicher Nahrungsergänzungsmittel. Woraus bestehen sie, in welchen Fällen sollten sie eingesetzt werden und sind sie im allgemeinen Verkauf erhältlich?
Definition oraler Nährstoffsupplemente nach den ESPEN-Richtlinien
Laut der offiziellen Definition der *Europäischen Gesellschaft für Klinische Ernährung und Stoffwechsel* (ESPEN, von engl. *European Society for Clinical Nutrition and Metabolism*) stellen **orale Nährstoffsupplemente** (kurz ONS, von *Oral Nutrition Supplements*) spezialisierte Präparate dar, die in verschiedenen physikalischen Formen erhältlich sind – als flüssige Lösungen mit unterschiedlicher Viskosität, halbflüssige Cremes oder Pulver zur Rekonstitution. Ihre primäre Funktion besteht darin, den täglichen Bedarf des Körpers an Energie sowie essenziellen Nährstoffen – einschließlich Makro- und Mikronährstoffen – zu decken.
Je nach spezifischer Zusammensetzung können diese Produkte entweder sofort verzehrfertig sein – beispielsweise als trinkfertige Getränke in Flaschen oder Beuteln – oder als Grundlage für die selbstständige Zubereitung einer nährstoffreichen Lösung dienen. Alternativ lassen sie sich als Zusatz zu herkömmlichen Mahlzeiten oder Getränken verwenden, um deren Kalorien- und Nährstoffgehalt zu erhöhen.
ONS werden der Kategorie **Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke* (eng. *Foods for Special Medical Purposes*, FSMP) zugeordnet, was bedeutet, dass ihre Anwendung einer strengen ärztlichen Überwachung unterliegt. Sie sind vorrangig für Patient:innen bestimmt, bei denen die Fähigkeit zur adäquaten Aufnahme, Verdauung oder Resorption von Nahrungsmitteln bzw. bestimmten Nährstoffen – sei es aufgrund chronischer Erkrankungen, akuter klinischer Zustände oder postoperativer Komplikationen – beeinträchtigt ist. Darüber hinaus kommen ONS zum Einsatz, wenn eine konventionelle Ernährung den erhöhten metabolischen Bedarf des Organismus nicht decken kann, wie es häufig bei verschiedenen somatischen Erkrankungen der Fall ist (Quelle: Cederholm et al., Veröffentlichung aus dem Jahr 2017).
Kategorisierung oraler trilinearer Nährstoffpräparate mit medizinischer Zweckbestimmung
Orale trilineare Nährstoffpräparate mit medizinischer Indikation repräsentieren eine außerordentlich vielfältige Produktgruppe, die es ermöglicht, auf die individuellen Bedürfnisse unterschiedlicher Patientengruppen maßgeschneidert einzugehen. Hinsichtlich ihrer Zusammensetzung und ihres Nährwertprofils lassen sich zwei grundlegende Unterkategorien differenzieren: **vollständig bilanzierte Präparate** und **teilweise bilanzierte Präparate**. Die erstgenannte Kategorie – also die vollständig bilanzierten Präparate – stellt sämtliche essenziellen Nährstoffe in Mengen bereit, die den ernährungsphysiologischen Empfehlungen für gesunde Personen entsprechen. Sie kommen sowohl als **ergänzende Komponente der täglichen Ernährung** bei Patienten zum Einsatz, die Schwierigkeiten haben, eine ausreichende Menge konventioneller Mahlzeiten zu sich zu nehmen, als auch als **exklusive Quelle für Energie, Makro- und Mikronährstoffe** in Situationen, in denen eine reguläre Nahrungsaufnahme unmöglich oder unzureichend ist. Demgegenüber zeichnen sich die teilweise bilanzierten Präparate durch einen erhöhten Gehalt an einem oder mehreren ausgewählten Nährstoffen aus, bieten jedoch nicht das vollständige Spektrum an essenziellen Nährstoffen. Aus diesem Grund sollten sie **ausschließlich als ergänzende Maßnahme zur konventionellen Ernährung** und nicht als vollständiger Ersatz eingesetzt werden. Darüber hinaus unterscheiden sich diese Präparate in ihrer **Energiedichte** – es gibt Varianten mit standardisiertem sowie erhöhtem Kaloriengehalt, ebenso wie Produkte mit modifiziertem Protein- oder Fettanteil (mit reduziertem oder erhöhtem Gehalt dieser Komponenten). Ein Teil der Präparate ist mit **funktionellen Bioaktivstoffen** angereichert, darunter Ballaststoffe, spezifische Fettsäuren oder Aminosäuren, während andere gezielt in der Konzentration bestimmter Inhaltsstoffe reduziert sind (z. B. Präparate mit vermindertem Elektrolytgehalt). Zusätzlich erfüllen einige dieser Produkte **modifizierende Funktionen**, etwa durch die Veränderung der Konsistenz traditioneller Speisen mittels Verdickung, was bei bestimmten Erkrankungen oder Schluckstörungen die Nahrungsaufnahme deutlich erleichtert.
Leitlinien zur Anwendung oraler Nährstoffsupplemente (ONS) in der klinischen Praxis und zur Prävention von Mangelernährung
Dieses Dokument enthält umfassende Empfehlungen zur Anwendung oraler Nährstoffsupplemente (ONS) als intervenierende Strategie bei bestehender Mangelernährung oder hohem Risiko für deren Entwicklung. Es werden detailliert Patientengruppen beschrieben, bei denen eine Supplementierung messbare gesundheitliche Vorteile bringen kann, darunter ältere Menschen mit Appetitstörungen und Schwierigkeiten bei der selbstständigen Nahrungszubereitung, onkologische Patienten mit erhöhtem metabolischem Bedarf sowie Patienten mit chronischen Erkrankungen wie Mukoviszidose, entzündlichen Darmerkrankungen oder chronischer Nierenerkrankung. Zudem werden aktuelle wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit von ONS bei der Verbesserung von Ernährungsparametern, Körpergewicht und Lebensqualität dargestellt, wobei auch die Grenzen der derzeitigen Studien und der Bedarf an weiteren Analysen berücksichtigt werden.
Einsatzmöglichkeiten von Trinknahrung in der Ernährung und korrekte Einnahmeweise
Die überwiegende Mehrheit der oralen Trinknahrung (ONS) liegt in flüssiger Form vor, was eine direkte Einnahme aus der Originalverpackung ermöglicht. Entscheidend ist dabei die kontrollierte Einnahmegeschwindigkeit: Das Präparat sollte schrittweise, in kleinen Mengen über einen Zeitraum von etwa dreißig Minuten bis zu einer Stunde konsumiert werden. Aufgrund der hohen Konzentration an Energie und Nährstoffen würde eine zu rasche Einnahme das Verdauungssystem überlasten und die effiziente Aufnahme der vitalen Substanzen beeinträchtigen. Zudem kann das schnelle Trinken größerer Mengen unangenehme gastrointestinale Nebenwirkungen wie abführende Effekte auslösen. Für manche Patienten können Konsistenz oder Geschmack der Trinknahrung problematisch sein. In solchen Fällen empfiehlt es sich, das Präparat kreativ in vertraute Speisen zu integrieren – etwa in Pfannkuchen, Breie, Desserts, Suppen oder Hauptgerichte. Durch das Überdecken des Eigengeschmacks mit anderen Zutaten und die Einbindung in gewohnte Mahlzeiten lässt sich die Akzeptanz bei Personen mit erhöhtem Nährstoffbedarf deutlich steigern.
Erwerbsmöglichkeiten und Verfügbarkeit oraler Nahrungsergänzungslösungen (ONS)
Orale Nahrungsergänzungslösungen (ONS) sind flächendeckend erhältlich – sowohl über Online-Apotheken als auch im stationären Apothekenhandel. Das Sortiment umfasst eine breite Palette an Supplementen mit unterschiedlichen Nährstoffzusammensetzungen sowie vielfältigen Geschmacksrichtungen, was eine individuelle Anpassung an die spezifischen Ernährungsbedürfnisse und geschmacklichen Vorlieben der Patienten erleichtert. Zu betonen ist, dass für den Erwerb kein ärztliches Rezept erforderlich ist; dennoch wird dringend empfohlen, vor der Einnahme eine Rücksprache mit dem behandelnden Arzt zu halten, um das passendste Präparat auszuwählen und dessen Anwendung zu überwachen. Aktuell unterliegen diese Produkte keiner Kostenerstattung durch die gesetzliche Krankenversicherung.