Die Folgen eines sitzenden Lebensstils müssen nicht nur die Wirbelsäule betreffen, obwohl sie am stärksten betroffen ist. Immer häufiger begegnen wir Menschen, die sich nicht einmal in geringem Maße körperlich betätigen, was zu vielen Krankheiten im jungen Alter führt. Sitzen wurde in der Hierarchie der riskanten Verhaltensweisen höher eingestuft als Rauchen oder Alkoholkonsum. Dies ist möglich, da praktisch jeder einen Großteil des Tages in sitzender Position verbringt und die Zeit, die er in dieser Position verbringt, immer länger wird.
Die chronisch sitzende Lebensweise: Physiologische und gesundheitliche Folgen einer bewegungsarmen modernen Gesellschaft
Das Phänomen der Bewegungsarmut und die Dominanz sitzender Tätigkeiten betreffen heutzutage nahezu jeden Einwohner hochentwickelter und industrialisierter Länder. In Polen hat sich dieser Lebensstil zu einer Art kultureller Norm entwickelt – das Sitzen ist nicht nur eine berufliche Notwendigkeit, sondern auch eine bevorzugte Form der Freizeitgestaltung und Entspannung. In öffentlichen Verkehrsmitteln wie Straßenbahnen und Bussen beobachtet man regelrechte Konkurrenzkämpfe um Sitzplätze, insbesondere unter jüngeren Menschen, während vor Bildschirmen – sei es am Computer oder Fernseher – täglich mehrere Stunden, manchmal sogar ununterbrochen und ohne Pausen für Bewegung oder Positionswechsel, verbracht werden. Ein weiterer entscheidender Faktor, der diesen Trend verstärkt, ist die Natur moderner Arbeitsplätze, insbesondere in Büroumgebungen, wo stundenlanges Sitzen zur Routine geworden ist. Welche kurz- und langfristigen Folgen hat dies? Zu den häufigsten und schwerwiegendsten gesundheitlichen Auswirkungen zählen chronische Rückenschmerzen, fortschreitende degenerative Veränderungen der Bandscheiben, Mikrozirkulationsstörungen, die zur Entstehung von Cellulite und lokaler Fettansammlung – besonders im Gesäß- und Oberschenkelbereich – führen. Hinzu kommt ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Krampfadern in den unteren Extremitäten, systemische Durchblutungsstörungen und sogar kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkte. Sind diese Aussichten nicht beunruhigend? Epidemiologische Studien deuten darauf hin, dass langes Sitzen noch zerstörerischere Auswirkungen auf den Körper haben kann als das Rauchen von Tabak – mit dem entscheidenden Unterschied, dass man mit dem Rauchen aufhören kann, während das Vermeiden von Sitzen unter den Bedingungen des modernen Lebens fast unmöglich erscheint. Es ist wichtig zu betonen, dass dieser Aktivitätsmangel nicht der Biologie des *Homo sapiens* entspricht. Unsere Vorfahren nahmen eine sitzende Position nur in absolut notwendigen Situationen ein: beim Essen, bei durch Verletzungen, Krankheiten oder hohes Alter bedingter Schwäche. Der Verweis auf den evolutionären Kontext ist hier kein Zufall – trotz des zivilisatorischen Fortschritts sind die grundlegenden physiologischen Mechanismen des Menschen unverändert geblieben. Unsere Verdauungs-, Kreislauf- und Nervensysteme funktionieren nach den gleichen Prinzipien wie vor Tausenden von Jahren, ebenso wie das Skelettsystem, das für dynamische Aktivitäten und nicht für statische Belastungen ausgelegt ist. Beispielsweise hat sich die physiologische Lordose der Lendenwirbelsäule entwickelt, um Belastungen beim Gehen, Laufen oder Heben abzufedern – nicht jedoch, um den Körper stundenlang in sitzender Position zu halten. Bei schwangeren Frauen entwickelt sich zusätzlich eine Hyperlordose, die die auf die Wirbelsäule wirkenden Kräfte natürlich umverteilt, was zeigt, wie sehr unser Körper auf Bewegung und nicht auf Inaktivität ausgelegt ist. Diese Beobachtungen regen zum Nachdenken über Ernährung und Lebensstil an – es ist kein Zufall, dass viele moderne Ernährungsempfehlungen sich an Modellen aus der Zeit vor der Industrialisierung orientieren, als körperliche Aktivität ein selbstverständlicher Teil des Alltags war.
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