Körperliche Betätigung führt zu positiven Auswirkungen nicht nur im Hinblick auf den körperlichen Zustand, sondern auch auf den psychischen. Aus diesem Grund wird Menschen mit diagnostizierter Depression empfohlen, körperlich aktiv zu bleiben. Wie wirkt sich das auf ihr Wohlbefinden aus und kann es ein wichtiger Bestandteil der Prävention sein? Antworten auf diese Fragen finden Sie in diesem Beitrag.
Depression in Zahlen – epidemiologische Kernbefunde und Trends aus dem NFZ-Bericht (2023)
Laut dem im Jahr 2023 veröffentlichten aktualisierten Bericht des *Nationalen Gesundheitsfonds* (NFZ) erhielten insgesamt 809.000 Patienten medizinische Leistungen, bei denen primäre oder begleitende depressive Symptome diagnostiziert wurden. Die Auswertung ergab, dass der überwiegende Anteil dieser Leistungen auf die Altersgruppe der 65- bis 74-Jährigen entfiel. Darüber hinaus zeigt der NFZ-Bericht, dass antidepressive Medikamente von 1,7 Millionen Patienten eingelöst wurden – ein Anstieg um 83 Prozent im Vergleich zum Jahr 2013. Schätzungen zufolge litten zu dieser Zeit etwa 1,2 Millionen Menschen in Polen unter Depressionen. Eine vom *Institute for Health Metrics and Evaluation* durchgeführte Analyse belegt, dass die COVID-19-Pandemie die Zahl der Depressionserkrankungen deutlich erhöhte: Im Jahr 2020 wurden über 53 Millionen neue Fälle schwerer depressiver Störungen sowie 76 Millionen Angststörungen registriert, wobei Frauen überproportional betroffen waren. Zudem traten depressive Verstimmungen, Ängste und verwandte Symptome besonders häufig bei jungen Erwachsenen auf (vgl. M. Yocha, R. Sirulla, 2021).
Die Auswirkungen regelmäßigen Laufens auf die Reduzierung depressiver Symptome: wissenschaftliche Analyse und praktische Empfehlungen
Eine der zugänglichsten und gleichzeitig wirksamsten Methoden zur Verbesserung des psychischen Wohlbefindens stellt regelmäßige körperliche Aktivität in Form von Laufen dar. Bemerkenswert ist, dass der Einstieg in diese Trainingsform keines komplizierten Equipments bedarf – ausreichend sind gut sitzende Sportschuhe, innere Motivation und konsequentes Handeln. Wissenschaftliche Studien bestätigen, dass selbst moderate Laufstrecken messbare gesundheitliche Vorteile mit sich bringen, darunter eine deutliche Steigerung der kognitiven Funktionen und eine Regulation der Stimmungslage. Darüber hinaus zeigen die Ergebnisse einer 2023 veröffentlichten Metaanalyse, die von einem Forscherteam unter der Leitung von M. Noetel durchgeführt wurde, dass Laufen die einzige Form körperlicher Betätigung war, deren Wirksamkeit bei der Linderung depressiver Symptome in allen untersuchten soziodemografischen Gruppen dokumentiert wurde – unabhängig von Geschlecht, Alter oder körperlicher Fitness.
Krafttraining als therapeutische Ergänzung: Wirkmechanismen und Vorteile für psychische sowie körperliche Gesundheit
Obwohl sowohl Laufen als auch Krafttraining vergleichbare positive Effekte auf die Stimmungslage aufweisen, zeigt sich, dass Ausdauertraining in Form von Laufen gezielt bestimmte belastende Symptome – wie etwa Angststörungen – effektiver lindern kann. Eine Studie mit 28 dialysepflichtigen Patienten verglich über einen Zeitraum von sechs Monaten die Wirksamkeit von Lauf- und Widerstandstraining. Dabei wurde bei den Probanden, die ein Lauftraining absolvierten, eine signifikante Reduktion der Angstsymptomatik festgestellt (Dziubek et al., 2016). Depressionen stellen eine schwerwiegende Erkrankung dar, die den gesamten Organismus beeinträchtigt – ein Indiz hierfür ist die um etwa ein Jahrzehnt verkürzte Lebenserwartung von Personen mit psychischen Erkrankungen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung. Dieser Unterschied lässt sich möglicherweise auf ein erhöhtes Risiko für kardiometabolische Erkrankungen zurückführen, darunter Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, arterieller Hypertonie und Insulinresistenz (Schuch & Stubbs, 2019). Körperliche Aktivität spielt eine zentrale Rolle in der Therapie von Depressionen, da sie zu einer Verbesserung kardiovaskulärer Marker, einer Regulation des Körpergewichts sowie einer Erhöhung des High-Density-Lipoprotein-Spiegels beiträgt (Kerling et al., 2015; Kahl et al., 2015; Stubbs et al., 2016). Darüber hinaus fördert Bewegung neuroplastische Prozesse und die Neurogenese – also die Bildung neuer Nervenzellen –, wirkt entzündungshemmend, optimiert die Schlafqualität, stärkt das Selbstwertgefühl und steigert das Selbstvertrauen (Xie et al., 2021). Regelmäßige körperliche Betätigung beeinflusst zudem die kognitiven Fähigkeiten positiv, die bei depressiven Patienten häufig beeinträchtigt sind. Studien zeigen, dass bei Personen mit unipolarer Depression durch gezielte Bewegungsinterventionen die Reaktionszeit verkürzt, das verbale Kurzzeitgedächtnis verbessert, exekutive Funktionen gestärkt und die psychomotorische Geschwindigkeit erhöht werden konnten (Buscher et al., 2019; Dauwan et al., 2021).
Kann körperliche Aktivität die medikamentöse Behandlung von Depressionen ersetzen? Eine vergleichende Auswertung der Duke-University-Studie
Ein Forscherteam der renommierten Duke University führte eine strenge klinische Studie durch, um die Wirksamkeit zweier therapeutischer Ansätze zur Behandlung depressiver Episoden zu vergleichen: die systematische medikamentöse Behandlung mit Sertralin (im Handel als Zoloft erhältlich) und ein strukturiertes Programm körperlicher Aktivitäten mit moderater Intensität. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigten eine überraschende Übereinstimmung in der Effektivität beider Interventionen – in der Gruppe, die regelmäßig körperlich aktiv war, wurde bei 45 % der Teilnehmer eine vollständige Remission der depressiven Symptome festgestellt, während in der Gruppe, die Antidepressiva einnahm, 47 % der Studienteilnehmer ein ähnliches Ergebnis erzielten. Diese Erkenntnis eröffnet neue Perspektiven in der Debatte über optimale Behandlungsmethoden für Stimmungsstörungen.