Fettleibigkeit und Übergewicht sind häufige Themen in der Gesellschaft, jedoch gibt es ein weiteres, genauso wichtiges Problem, das oft übersehen wird – unzureichende Ernährung. Ernährung ist ein entscheidender Faktor für die ordnungsgemäße Funktion des Körpers während des Tages, und ein Mangel an Energie, Protein und anderen wichtigen Nährstoffen führt zum Abbau von Gewebe. Es ist wichtig zu betonen, dass unzureichende Ernährung nicht nur bei untergewichtigen Personen, sondern auch bei Personen mit normalem Körpergewicht oder Fettleibigkeit auftreten kann. Trotz des leichten Zugangs zu Nahrungsmitteln bleibt das Problem der unzureichenden Ernährung ein ernsthaftes Problem des 21. Jahrhunderts.
Fehlernährung: Definition, diagnostische Kriterien und Methoden zur Erkennung von Nährstoffmangelzuständen im menschlichen Körper
Unterernährung stellt einen komplexen pathophysiologischen Zustand dar, bei dem der menschliche Organismus chronische oder akute Defizite an essenziellen Makro- und Mikronährstoffen erfährt – einschließlich hochwertiger Proteine, essenzieller Fettsäuren, komplexer Kohlenhydratverbindungen, fett- und wasserlöslicher Vitamine sowie Elektrolyte und Spurenelemente. Die Folge dieser Mangelerscheinungen ist eine progressive Beeinträchtigung homöostatischer Regulationsmechanismen, die zu metabolischen Dysfunktionen, einer Schwächung der immunologischen Abwehrkräfte und einem Gewebeabbau führt. Gemäß den aktuellen Leitlinien der ESPEN (Europäische Gesellschaft für Klinische Ernährung und Stoffwechsel) erfordert die Diagnose einer Unterernährung die Erfüllung mindestens eines von zwei primären Kriterien: (1) ein Body-Mass-Index (BMI) unter der Schwelle von 18,5 kg/m² oder (2) ein unbeabsichtigter Gewichtsverlust von mehr als 10 % unabhängig vom Beobachtungszeitraum bzw. von mehr als 5 % innerhalb der letzten drei Monate – unter gleichzeitiger Berücksichtigung alterspezifischer BMI-Grenzwerte (20 kg/m² für Personen unter 70 Jahren und 22 kg/m² für Senioren über 70 Jahren) oder eines reduzierten fettfreien Körpermasseindex (FFMI < 15 kg/m² bei Frauen und < 17 kg/m² bei Männern). Zusätzliche diagnostische Marker umfassen erniedrigte Serumalbuminwerte (< 3,5 g/dl), klinische Symptome einer Ernährungsdystrophie sowie einen signifikanten Gewichtsverlust (≥5 % innerhalb eines Monats oder ≥10 % über einen Zeitraum von 3–6 Monaten). Seit 2012 gehört die verpflichtende Durchführung eines Ernährungsscreenings bei allen hospitalisierten Patienten (mit Ausnahme von Notaufnahmen) zum Standardvorgehen, wobei validierte Instrumente wie der Nutritional Risk Screening 2002 (NRS-2002) oder die Subjektive Globale Bewertung (SGA) eingesetzt werden. Eine erweiterte Diagnostik kann eine detaillierte ernährungsanamnestische Befragung, anthropometrische Messungen, die Bewertung der körperlichen Leistungsfähigkeit sowie laboranalytische Untersuchungen zentraler biochemischer Parameter (einschließlich Transferrin und Präalbumin) umfassen. Das Problem der Unterernährung ist global verbreitet und betrifft Bevölkerungsgruppen unabhängig von Alter oder geographischer Lage, wobei es insbesondere in Regionen mit wirtschaftlicher Instabilität und sozialer Unsicherheit an Intensität zunimmt.
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